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Kategorie: Soviet

35 Jahre danach – Meine Bilder aus der Sperrzone von Tschernobyl

 
Während die Welt noch immer fest in den Händen der Covid-19-Pandemie liegt, jährt sich am 26. April zum 35. Mal eine weitere Katastrophe. Der Unfall von Tschernobyl hat nicht nur das Leben der Menschen in der Sperrzone von Tschernobyl für immer auf grausame Weise verändert, sondern auch das Leben in ganz Europa war nicht mehr dasselbe. Nicht nur, dass eine riesige radioaktive Wolke in weiten Teilen Europas bis heute Salat, wilde Tiere, Milch und Pilze kontaminierte, sondern es zeigte uns allen auf, wie gefährlich Atomkraft ist und dass wir dringend Alternativen brauchen.

Tagesschau vom 29.04.1986

35 Jahre sind nichts!

35 Jahre… das klingt wie eine Ewigkeit. Aber was sind 35 Jahre, wenn das Gebiet für die nächsten 24.400 Jahre unbewohnbar bleiben wird ?! Was sind 35 Jahre, wenn Menschen heute noch an den Folgen der Katastrophe sterben? Es ist bis heute nicht möglich, die genaue Anzahl der Opfer, die infolge dieses Unglücks gestorben sind, zu bestimmen. Verschiedene Organisationen sprechen von 4.000 bis 60.000 Toten. 

Ein Ferkel mit Dipygus ausgestellt im Ukrainian National Chernobyl Museum

By Vincent de Groot – http://www.videgro.net – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8468939

Zahlen der Opfer der verschiedenen Organisationen. 
Quelle

Mir ist es wichtig, all diese Auswirkungen zu erwähnen, bevor ich euch von meinen persönlichen Erfahrungen erzähle, da sich das Bewusstsein für die Katastrophe und das Gebiet etwas in die falsche Richtung entwickelt hat, was auch dem Hype um die TV-Serie und der Selbstdarstellung vieler Touristen geschuldet ist.
Klar, die Sperrzone ist sicherlich sehr spannend, aber am Ende bleibt und ist sie auch ein Mahnmal, auf dessen Grund man sich auch entsprechend verhalten sollte, um den Opfern und deren Hinterlassenschaften Respekt zu zollen.

Das Denkmal direkt vor dem Sarkophag von Reaktor 4

Wo es begann und wo es hoffentlich endet

Mein Interesse an der Katastrophe begann schon lange bevor ich zur Fotografie kam.
Denn im Allgemeinen hatte ich schon immer eine bizarre Vorliebe für bedeutungsschwangere und postapokalyptische Orte, vor allem in Kombination mit tragischen Ereignissen.

Beim Super-Gau von 1986 spielte nicht nur die Katastrophe ab sich für mich eine Rolle: auch die Verkettung von Ereignissen die dazu führten, sowie die Reaktion sowjetische Systems, fesselten mich an diese dunkle Episode der Menschheit.

Darüber hinaus gibt es natürlich meine grundsätzliche Leidenschaft für verlassene Orte und die Hinterlassenschaften der UDSSR. All diese Verknüpfungen führten zu einer wirklich tiefen Verbindung zu diesem Gebiet. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich eines Tages die Sperrzone besuchen würde.
Im Jahre 2016 war es dann endlich das erste Mal so weit- und seitdem bin ich der Faszination verfallen.

Im Laufe der Zeit erlebte ich dort einige unvergessliche Momente, traf wundervolle Menschen und genoss die Zeit und die Ruhe. Ich hoffe, dass ich noch weitere Besuche dort erleben kann, um jede Ecke der ukrainischen und belarussischen Sperrzone in Bildern festzuhalten.

Ein Traum von mir ist es eines Tages ein Buch über die Tschernobyl Sperrzone veröffentlichen, um das gesamte Spektrum meiner Fotografien zu zeigen und den Menschen zugänglich zu machen. Auch weil niemand weiß, wie lange es noch möglich sein wird, die Orte in diesem Zustand zu zeigen. Die Substanz der Gebäude hat in den letzten Jahren erheblich abgenommen und mehrere Waldbrände zerstörten bereits einzigartige Dörfer und Orte.

Es ist leider nur eine Frage der Zeit, bis nichts mehr zu sehen sein wird oder ein ungefilterter Blick auf diesen Ort nicht mehr möglich ist.

Wenn jemand also daran interessiert ist, mich dabei zu unterstützen oder es gar veröffentlichen möchte, steht mein E-Mail Postfach immer weit offen.
Mail me
So, nun aber genug der Einleitung: kommt mit mir auf eine kleine Exkursion durch die Sperrzone!

Startpunkt: Das Ortsschild von Pripyat

Während man bei uns in Westeuropa einfach ein Ortsschild oder vielleicht eine Gedenktafel am Eingang der Stadt anbringt, haben die Sowjetstaaten echte Kunstwerke geschaffen und gebaut: man konnte sie immer dann bestaunen, wenn man einen Ortseingang passierte. Ich weiß nicht, ob das dort heute auch noch üblich ist, aber ich persönlich finde es großartig.

Leider wurde das Zeichen von Pripyat in letzter Zeit immer wieder von hirnlosen Menschen verschmiert. Glücklicherweise war es dank einiger engagierterer Leute möglich, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Station 1: Café Pripyat & Marina River Station

Das Café Pripyat war einst bekannt für das leckerste Eis der Stadt. An schönen und sonnigen Tagen war es bis zum letzten Platz immer gut besucht.
Ich bin mir nicht sicher, ob es hier abends noch Geschäftsbetrieb gab, aber die kunstvolle Glasfassade hat mich auch nachts sehr beeindruckt.

Direkt dahinter befindet sich die Hafensation inklusive Landungssteg. Im Sommer tummelten sich hier die Massen, stiegen in ihr Boot oder genossen ihr leckeres Eis.

Station 2: Pripyat Ausflugsboot 

Dieses Schiff legte einmal regelmäßig an der Marina River Station an, die sich hinter dem Café Pripyat befindet. Es transportierte die Bewohner von Pripayt auf dem gleichnamigen Fluss. Heute sinkt das zweistöckige Schiff langsam aber sicher, nur wenige hundert Meter vom ehemaligen Steg entfernt.

Station 3: Krankenhaus No.126 

Dies ist das Krankenhaus, in das die ersten Feuerwehrleute nach der Bekämpfung der Brände, die mit der Reaktorkatastrophe einhergingen, gebracht und dort behandelt wurden. Die kontaminierten Uniformen wurden unmittelbar nach der Ankunft dieser Unternehmen in den Keller gebracht, um eine weitere Kontamination zu verhindern – und sie sind noch heute dort. Es ist jedoch ratsam, den Keller nicht zu betreten, da er immer noch einer der am stärksten kontaminierten Orte in ganz Pripyat ist! 

Station 4: Die Entbindungsstation

Pripyat war eine sehr große Stadt mit einer hohen Kinderdichte, die von den Verantwortlichen bereits bei der Planung der Stadt berücksichtigt und mit einkalkuliert wurde. Neben den 5 Schulen und 15 Kindergärten gibt es im Krankenhaus No. 126 sogar eine große Entbindungsstation. Interessanterweise befanden sich im Hauptgebäude des Krankenhauses auch einige Räume mit Säuglingsbetten, so das ich mir nicht mehr sicher bin was zu welcher Station gehörte. Seht es mir nach, falls ich hier was vermischt habe.

Zwischenstopp: Musik in der Sperrone

In der Vergangenheit (und natürlich auch heute noch) war das Musizieren in der Sowjetunion ein hohes kulturelles Gut, das mehrere berühmte Komponisten hervorbrachte.
So kam es, dass viele Haushalte und Institutionen immer auch ein Klavier besaßen.

Pripyat hatte beispielsweise auch eine eigene Musikschule mit Auditorium:

Station 5: Der Freizeitpark

Der berühmten Vergnügungspark, der am 30. April 1986, vier Tage nach dem Unfall, eröffnet werden sollte. Neben dem weltbekannten Riesenrad und dem Auto Scooter befindet sich dort noch eine Schiffschaukel, mit wundervollen Holzschiffchen, und ein Karussell.

Station 6: Kultur -und Sportpalast Energetik

Werfen wir einen Blick auf den Energetik-Palast für Kultur und Sport, der sich direkt am Hauptplatz von Pripyat befindet, dort wo sich Lenin Allee und Kurchatova-Straße treffen. Das Wort Energetik war als Wortspiel gedacht und sollte für Energie durch Kultur und Leben und Sport stehen, sowie auch für die Kernenergie

Die Turnhalle des Energetik Kulturpalastes war zwar nur die zweitgrößte in der Stadt, aber dafür die belebteste. Auch hier erobert sich die Natur stetig ihren Platz zurück und aus dem Parkett sprießen die Bäume hervor.

Station 7: Der Hauptplatz

Wir verlassen den Kulturpalast Energetik und stehen schon direkt im Zentrum von Pripyat. Wenn wir gerade schon hier sind, sehen wir uns doch mal ein wenig um:

Hotel “Polissya”

Gerade aus seht ihr das Hotel “Polissya”: es spielte nach dem Unglück eine wichtige Rolle für Liquidatoren und Arbeiter. Das Hotel diente nicht nur als Unterkunft, sondern auch die “Spotter”, welche die Hubschrauberflüge über dem Reaktor koordinierten, bezogen auf dem Dach Stellung. Heute ist das Gebäude stark einsturzgefährdet.

Hier einige weitere Eindrücke rund um den Hauptplatz:

“Nutze das Atom als Arbeiter, nicht als Krieger”

Ich denke der Spruch, der hier in kyrillischen Lettern über dem Platz thront, sollte in etwa bedeuten: Nutze die Atomkraft nicht für Kriege, sondern für gute und förderliche Zwecke -wie auch zur Energieerzeugung.

Nicht nur, dass leider in Tschernobyl gezeigt wurde, dass das Atom nicht immer unbedingt nur ein guter Arbeiter ist… dieses Sprichwort zeigt auch, wie die Menschen in der Sowjetunion von der Regierung getäuscht wurden. Und das zu einer Zeit, in der man ständig am Rande eines Atomkrieges stand.

Zwischenstopp : Pripyats Kindergärten

In Pripyat befinden sich 15 Kindergärten, die alle eigene Spitznamen wie z.B. “Goldfisch” oder “goldener Schlüssel” hatten. Dort finden man noch unzählige Hinterlassenschaften der Kinder wie Spielzeug, Bücher, Puppen und Schuhe.

Es sind oft die kleinen Details, die mir die ganze Melancholie dieser Stadt aufzeigen und diese gewisse Stimmung in mir hervorrufen. Wie dieser kleine Elefant in einem der Kindergärten: Ich versuche mir vorzustellen, wie er einmal von einem Kind fest umarmt und geknuddelt wurde. Vielleicht war es der beste Freund des Kindes?! Vielleicht war es auch der einzige?! Ich werde es nie erfahren, aber ich hoffe, dass sich das Kind bis heute an diesen Elefanten und seine persönliche Bedeutung zurückerinnert.

Die zurückgelassenen Puppen von Pripyat sind bei Touristen zu sehr beliebten Motiven geworden.
Leider wurden sie immer wieder bewegt und neu arrangiert, um sie in einer noch seltsameren Szenerie ablichten zu können. Aber sie faszinieren mich auch: Im Laufe der Jahre und des fortschreitenden Verfalls haben sie unterschiedliche Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen eingenommen, die manchmal die Unwirklichkeit ihrer Heimatstadt sehr gut ausdrücken.

Station 9: Die Schulen von Pripyat

Wer viele Kindergärten hat benötigt auch viele Schulen. 
Die 5 Schulen von Pripyat bergen viele spannende Einblicke: die vielen verschiedenen Klassenzimmer, viele kleine und große Dinge, die einen in die Zeit des Sozialismus zurückversetzen und auf eine ganz besondere Art und Weise die Gedanken an eine Zeit vor dem Reaktorunfall anregen.

Überall im Stadtgebiet von Pripyat sind unzählige Gasmasken verteilt. Man könnte meinen, dass der Hauptgrund hierfür in der Nähe zum Kraftwerk Wladimir I. Lenin liegt, aber tatsächlich war es damals im Ostblock nicht ungewöhnlich, große Mengen an Gasmasken auf Lager zu haben, vor allem in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden: denn während des Kalten Krieges war die Angst vor einem Atomangriff der USA allgegenwärtig.

Station 10: Schwimmbad “Azure”

Bevor wir Pripyat verlassen, besuchen wir noch kurz das Schwimmbad der Stadt.

Das Schwimmbad „Azure“: Es ist neben dem Riesenrad wahrscheinlich das berühmteste Bauwerk in Pripyat. Es kam auch schon in Videospielen, wie Call of Duty “Modern
Warfare” oder S.T.A.L.K.E.R. vor. Dieser Pool war auch nach der Katastrophe und der folgenden Evakuierung noch lange in Betrieb:
Liquidatoren und Arbeiter nutzten ihn sogar bis ins Jahr 1998.

Zwischenstopp: Sport in Pripyat

Die Sowjetunion war eine große Sportnation. Auch nach dem Zerfall sind viele der daraus resultierenden Staaten in vielen Sportarten an der Weltspitze. Kein Wunder also, dass es auch in der Sperrzone noch jede Menge Sporthallen, Basketballkörbe und sportbezogene Details gibt. Hier ein kleiner Auszug:

Station 11: Die Kühltürme von Tschernobyl

Wir sind nun bei den Kühltürmen des nie fertiggestellten Reaktor 5 angekommen.
Der Grad der Fertigstellung dieser Erweiterung des Kraftwerks betrug zum Zeitpunkt des Unfalls 70%

Im unvollendeten Kühlturm von Reaktor 5 erschuf der australische Grafitti-Künstler Guido van Helton anlässlich des 30. Jahrestages der Katastrophe ein beeindruckendes und bewegendes Kunstwerk:

Station 12: Duga 3 und Tschernobyl 2

Das sowjetische Überhorizontradar wurde im allgemeinen Sprachgebrauch als “Woodpecker” bezeichnet. Woodpecker deshalb, weil es wie ein Specht kurze Schläge in den weltweiten Radiofrequenzen erzeugte.
Dieses System wurde zur Raketenabwehr eingesetzt und sollte den Start einer Rakete in Europa oder Amerika frühzeitig erkennen.

Hier ist die Feuerwache von Tschernobyl 2 zu sehen: eine geheime und abgesperrte Militärstätte, die sich nur 10 km vom Kraftwerk entfernt befindet.
Selbst die meisten Einwohner von Tschernobyl wussten nichts von der Existenz dieser Einrichtung- geschweige denn, wie sie von innen aussah. Nur das bekannte Radar Duga 3, das sich an diesem Ort fast 150 Meter in den Himmel erhebt, zeigte ihnen, dass dort etwas vor sich ging.
Ein Modell der Stadt, einschließlich des Radars, befindet sich übrigens auf der kleinen Bühne in diesem Raum.

Endpunkt:  Das Ortsende von Tschernobyl

An einem kalten Morgen am Ortssrand von Tschernobyl: Ein Anblick, der in mir immer wieder die Sehnsucht weckt, ein Flugticket zu buchen, und die Sperrzone noch einmal zu besuchen. 

Fazit:

Ich könnte jetzt noch ewig so weiter machen, schließlich waren wir gerade doch fast nur in Pripyat unterwegs. Aber der Artikel wurde doch viel länger, als ich geplant hatte. Deshalb auch meine Sehnsucht nach einem umfangreichen Bildband. Es gibt noch soviel mehr was ich euch zeigen möchte!

Ich hoffe, ich konnte euch auf eine kleine Gedankenreise mitnehmen. 

Wenn ihr noch einige andere Bildern sehen wollt schaut hier rein

Euer Andy

35 JAHRE
UNVERGESSEN!

In Gedenken an all die Opfer und Helden, die es möglich machten, dass wir und unsere Kinder noch eine Zukunft haben.


Die vergessenen Sanatorien von Tskaltubo

Der Putz bröckelt langsam von den Wänden und ich bewege mich vorsichtig durch die Gänge. Manchmal blicke ich auf das innere des Stahlbetons, denn die Ummantelung liegt schon länger zerfallen auf dem Boden. Es ist still.

Es wirkt ein wenig wie eine Parallelwelt wenn man einen dieser Orte betrifft und ich selbst wusste nicht wie ich hier denken und fühlen kann/sollte/wollte. Einerseits war ich von der teils sehr schönen Architektur begeistert und vergaß zeitweise wo ich mich hier befinde, andererseits sah ich dann wieder plötzlich verbarrikadierte Türen, sah alte Menschen auf den Gängen oder sah Kinder spielen, was mir wieder klar machte da es doch auch ein Zuhause von Menschen ist, welche ihr eigentliches Zuhause einst verloren.

Es kamen 6000 Menschen nach dem Abchasien – Georgien Krieg 1992/1993 als IDP´s (Internal Displaced People) nach Tskaltubo. Internal deswegen weil Abchasien vor dem Krieg ein Teil von Georgien war und eigentlich immer noch ist. Nur 7 Staaten haben Abchasien offiziell als selbständigen Staat anerkannt. Russland, Venezuela, Nicaragua, Nauru, Vanuatu,Syrien und Tuvalu. Vanuatu und Tuvalu haben dies mittlerweile revidiert .(danke Roman) Für den Rest der Welt ist Abchasien immer noch ein Teil Georgiens.
Die Menschen die heute hier leben sind Georgier und wurden von den Abchasen ethnisch verfolgt, weshalb sie flüchteten da sie im schlimmsten Fall den Tod und Folter fürchten hätten müssen. Auf Wikipedia könnt ihr über das Massaker von Suchum nachlesen, bei dem 7.000 georgische Zivilisten ermordet wurden.

So auch Wassili, den ich vor einem Sanatorium antraf. Er sprach kein Englisch, aber ich habe verstanden das er aus Sukhum kommt und wegen dem Krieg flüchten musste. Trotz all der Grausamkeit des Krieges und den Verlust der eigenen Heimat sowie den Umständen wie viele hier leben müssen, waren alle sehr gastfreundlich und zuvorkommend. 
Ich will Wassili meine Schachtel Zigaretten schenken was ihn sehr freute, er dennoch dankend ablehnte . Stattdessen will unbedingt ein Foto machen und mich auf einen (oder zwölf) Schnpas in seine Wohnung einladen. Ich musste ablehnen da ich nicht trinke, aber ein Foto machten wir selbstverständlich.

Wir verabschiedeten uns, aber vorher zeigt er mir noch ein paar schöne Ecken. Dann gab er mir einen Bruderkuss auf die linke und rechte Wange und ging.
Ich war von diesem Erlebnis wirklich sehr berührt. Er lies mich mit einem komischen Gefühl im Bauch zurück welches mich daran erinnerte das hinter jedem Menschen hier auch ein Schicksal steckt. Doch als Fotograf haben wir einfach eine voyeuristische Ader in uns und es geht in unseren arbeiten nicht nur um das schöne dieser Erde. Auch die tragischen, schrecklichen Geschichten dieser Erde müssen erzählt und gezeigt werden.
Ich versuchte ab diesem Zeitpunkt zu differenzieren zwischen dieser Schicksale und den schönen Gebäuden wegen welchen ich eigentlich hier war. Dennoch versuchte ich die Privatsphäre dieser Menschen so gut es ging zu wahren.

Zurück zu Tskaltubo und den Gebäuden…

Tskaltubo Momentaufnahmen an einem regnerischen Tag

Tskaltubo war zu Sowjetzeit ein beliebter Kurort der für seine Radonquellen bekannt war. Stalin hatte hier nicht nur seine eigene Dacha, sondern auch sein ganz persönliches Bad, das SPA No. 6. Während seine Mutter hier öfters zu Gast war, ließ sich Josef Stalin nur einmal hier blicken. Dafür erfuhr ich vom Spa Chef das Jelzin hier im besoffenen Zustand seine Frau in Stalins Becken geworfen hat. Nette Anekdote aber irgendwie nicht wirklich verwunderlich denn “party hard” ist ein russisches Kulturgut 🙂

Stalins Bad

Das SPA No. 6 ist mittlerweile einer der wenigen welches wieder vollständig (bis auf das Stalin Bad) seinen Betrieb aufgenommen hat.
Der Großteil, ca. 12 – 14 Hotels,Sanatorien und SPA´s, sind weiterhin dem Verfall ausgesetzt.
Über die Jahre wurde das meiste an Inventar verkauft, umgenutzt oder ist sonstwo verschwunden. Doch findet sich neben der schönen Architektur auch hier und da noch das alte Inventar welches mich immer wieder in Gedankenreisen verschlägt. So wie diese Bibliothek in einem alten Sanatorium:

Was den architektonischen Charme der alten Gebäude betrifft, lasse ich einfach die Bilder sprechen. Es müssen einst unglaublich wunderschöne Orte gewesen sein.

Ob der Ort eines Tages wieder im alten Glanz erscheinen wird, ich bezweifele es, aber muss er in meinen Augen auch nicht. Tskaltubo hat aus seinem Schicksal auch die Chance ergriffen sich eine eigene Lebenskultur zu kreieren, die sich als sehr gastfreundlich, intensiv und kreativ erwies. Ich denke bei meinem nächsten Georgienbesuch, werde ich doch auch wieder einen kurzen Stopp in Tskaltubo machen.


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