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Die unheimliche Reise durch eine verlassene Neuropsychiatrie in Italien

Von dem Moment an, an dem er die Mauer der Internierung passiert, betritt der Patient eine neue Dimension der emotionalen Leere ([…]); 
Das heißt, er befindet sich in einem Raum, der ursprünglich erbaut wurde, um ihn unschädlich zu machen und gleichzeitig zu heilen, er erscheint in der Praxis als paradoxerweise konstruierter Ort für die vollständige Vernichtung seiner Individualität, als Ort seiner totalen Objektivierung.

1979 – Franco Basaglia über die Missstände der psychiatrischen Einrichtungen

Es ist noch nebelig als wir an einem Sonntagmorgen über ein verdorrendes Feld gehen. Unser Ziel ist ein Manicomio (ital. Irrenanstalt) in der Provinz von Cuneo. Am Ende des Feldes zeichnet sich ein alter Weg ab. Die Vegetation wird etwas dichter. Wir folgen den Weg und erreichen ein altes, großes schmiedeeisernes Tor. Dahinter befindet sich eine Allee riesiger alter Bäume  an der sich links und rechts die Umrisse alter Gebäude erkennen lassen.

Nachdem wir das Tor überwunden haben folgenden wir der alten Allee immer weiter, während vertrocknete Laub unter unseren Füßen rhythmisch zu unseren Schritten zerberstet. Endlich taucht aus dem Morgennebel das Ziel der Begierde vor uns auf; der alte Hauptpavillon.
Der Komplex wurde 1871 als Anstalt der katholischen Kirche erbaut und as bald als Militärschule genutzt. Ab ca. 1920 wurde die Anlage als Irrenanstalt genutzt, bis sie 1981 geschlossen wurde. Seit dem ist das Gebäude seinem Schicksal überlassen.
Wir gehen durch die verwilderten Gärten die diesen mächtigen Bau umgeben, der eher wie ein altes Kloster als eine Psychiatrie wirkt.

Verloren im Keller

Wir entdecken ein offenes Kellerfenster und klettern hinein. Durch das fahle Licht, welches durch die blinden Kellerfenster fällt, erkennen wir schnell das dieser Keller eher einem altem Gewölbe gleicht. Die Decken sind nicht mal 1,70m und man muss sich gebückt vorwärts bewegen. Leider mussten wir bald feststellen das der Keller eine Sackgasse ist. In einer Nische entdecken wir alte Rohre die in eine Öffnung führten. Sehr schmal und sehr dreckig, aber groß genug um sich durchzuzwängen.
Die Rohre waren schmutzig und vor allem von poröser Glaswolle umwickelt, welche uns ein paar kleine Erinnerungen für die Aktion hinterließ. Nachdem wir ca 5 Meter durch die Öffnung robbten kamen wir in ein identisches Gewölbe, aber um die Ecke war die lang ersehnte Treppe nach oben.

Voller Aufregung und Vorfreude hasteten wir die Treppe nach oben und wir wurden nicht enttäuscht. Oben angekommen stand ich in einem mächtigem Kreuzgang, der den verwunschenen Innenhof umgibt.

Ich vergese vollkommen, an welch dunklem Ort ich mich befinde, und genieße die Schönheit der alten Gemäuer. Über die baufällige Treppe betrete ich den ersten Stock. Faszinierend bewege mich durch meterhohe,  gothische Gänge bis ich plötzlich einen gefliesten Raum mit einem altem Sterilisator entdecke der mein Interesse erweckt. Ich erblicke noch eine Tür. Zielstrebend öffne ich sie und stehe mit offenem Mund vor einer alten Operationsliege inklusive alter OP-Lampe und einigen anderen Gerätschaften. Es ist ein schaudrig-schöner Anblick und mein Kopfkino spielt augenblicklich verrückt.

Ich schlendere weiter, durch riesige Schlafsäle die einen Teil der bis zu 1400 Insassen beherbergte, vorbei an  alten Ärztezimmern und durch scheinbar unzählige schönen Gänge bis ich die imposante Eingangshalle erreiche.

Ich verbringe noch mehrere Stunden an diesem eindrucksvollen Ort, der mich nachhaltig wie kaum ein anderer berührt hat. Noch weitere vier Besuche sollten folgen. Leider ist das Gebäude mittlerweile in einem gefährdeten Zustand. Das gesamte Fundament sinkt ab, die Gänge sind teilweise schief und Räume brechen ohne Vorzeichen ein. Aktuell versuchen die Eigentümer die Abrissgenehmigung zu erwirkenund wie es um das Gebäude steht, wird es sich nur noch um Formalitäten handeln. Ein weiteres Stück Geschichte, wenn auch eine teils traurige, wird somit für immer verschwinden.


dont call it a comback…

…I’ve been here for years

Auch wenn es (mal wieder) etwas länger gedauert hat, als erwartet, ist die  Werbepräsenz nun wieder in den weiten des Internets unterwegs. Im Moment ist alles noch relativ leer, da mir die alten Beiträge verloren gingen (Backups retten Nerven) und ich zeitgleich an neuen Serien arbeite. Die nächsten Wochen werden nach und nach einige Fotostrecken aber auch ein paar Reportagen veröffentlicht werden. Derweil habe ich aber schon 3 Fotostrecken für euch im Petto. Beschriftungen sind ebenfalls noch nicht überall vorhanden, kommen hier ebenfalls ASAP. 

Manicomi di Italia

Die verlassenen Neuropsychiatrien Italiens

 In Fenim

Europas Gotteshäuser im Verfall

Crowded

Gesehen und gesehen werden, auf den Bretten die einst die Welt bedeuteten.

one minute of fame
one minute of fame

Ich wünsche euch viel Spaß beim reinschauen.  

Cheers

Andy


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